plastic-indianer spricht: BLOGMIST

 

 


 

 

 

 

 

Heute schon geschwedet?


20. Februar 2017

 

Neulich dachte ich noch das ganze endet so:

Mann, ist das ein Scheißjob, da muss ich echt arbeiten, die eigenen Claqueure mit bringen und dann tut niemand das, was ich sage – und schlecht bezahlt ist der Job auch noch! Ich kündigee!

Doch seit diesem Wochenende ist klar, wie das System Trump laufen wird: Er lässt sich von seinen Fans feiern, zieht zur Hollywoodmusik mit der Air Force One durchs Land und lässt die Arbeit in Washington seine Regierung machen. Da braucht er als Popstar keine Verantwortung übernehmen und macht für seine Regierung weiter Wahlkampf.
 

 

 

 

 

 

MEA CULPA
Trump – After-Punk


21. Januar 2017

 

Geniale Dilettanten bedrohen die Welt. Versteht es doch einfach mal: seit Freitag ist endlich ein PUNK der mächtigste Mann der Welt – laut, obszön, geschmacklos & dilletantisch wie 1976 – und Hippies sind passè. Der Neue Wilde an der Macht wird endlich dem produktiven Nichtkönnen den Weg bahnen. Und wir sind Schuld daran. Die Kultur und die Sprüche der 78er: Wir wollen alles - aber subito! Underground gegen die da oben, Aufbegehren gegen die Tristesse und Herrschaft des Bildung-Bürgertums, Widerstand gegen Konventionen, die Kunst des Vergessen gegen das Tradieren – Tödliche Doris und Naturidentische Aromastoffe – Mode mit Verzweifelung – auch da begann es mit Frisuren: Auch Trump könnte leicht sein Pony zum Wochend-Irokesen hochbürsten. Die Sicherheitsnadel braucht er nicht mehr. Das war sowieso schon ein Accessoire des Niedergangs der Bewegung. Dazu Fanzines, die nur Meldungen aus der Szene brachten und Slogans: America First and NO FUTURE FOR YOU.

 

 

 

 

 

Science Fiction


1. Mai 2015

 

Science Fiction als Begriff bedeutet: in erzählerische Texte umgesetzte Naturwissenschaft. Die Idee, die der Science Fiction als Genre in Film, Literatur oder bildender Kunst zugrunde liegt, ist die des Gedankenexperiments: Was wäre wenn?
Wie sieht eine Gesellschaft aus, in der der Nachwuchs künstlich produziert, nach der Geburt in Kasten eingeteilt und fern jeder leiblicher Eltern im Sinne der Weltherrschaft herangezogen wird? (vgl.: Aldous Huxley: Brave New World, London 1932).
Wie verhält sich ein Bewohner, der in einem totalen Überwachungsstaates verbotene Gefühle entwickelt? (vgl.: George Orwell: 1984, London 1949).

Das Gedankenexperiment ist dabei eine anthropologische Größe. Auch der steinzeitliche Jäger muss es in seinem Alltag anstellen. Er muss sich fragen, wohin das Wild laufen wird, wo es sich in einer wenig später stattfindenden Zukunft befinden wird, damit der Pfeil seines Bogens es dort treffen kann. Schießt er den Pfeil in die Richtung, in der sich das Wild im Augenblick befindet, wird der Pfeil es dort wenig später nicht mehr antreffen. Stattdessen muss er abschätzen, mit welcher Geschwindigkeit es sich an welcher Stelle aufhalten wird, wenn es nach rechts läuft, um es dort zu erlegen. Wendet es sich dagegen nach links wird der Jäger auch in diesem Fall hungrig bleiben.

 

 

 

 

 

 

"Ewige Jagdgründe"


3. März 2015

Ich habe den alten SZ-Artikel "Ewige Jagdgründe" zur Münchner Hallenkultur zufälligerweise wieder ausgegraben - von der guten alten Freundin Ingeborg Schober, die ich gerne und immer in liebem Gedenken behalten werde, - und es ist atemberaubend, wie aktuell dieser Artikel immer noch ist.

Viel Vergnügen.

 

 

 

 

 

 

 

Reitende Topflappen


12. Februar 2015

Im Rahmen des allmonatlichen Künstlersonntages der Domagkateliers und in Kooperation mit der Ausstellung
"ZINES#3 - die frühen 80er. Künstlerzeitschriften aus der Sammlung Hubert Kretschmer"
im Zentralinstitut für Kunstgeschichte Katharina-von-Bora-Str. 10, 80333 München findet die Präsentation der neuesten und aktuellen Ausgabe unseres Künstler-Fanzine statt:

PLASTIC-INDIANER NO 23: REITENDE TOPFLAPPEN
von Wolfgang L. Diller und Bernhard Springer
24 Seiten, copy-art

In dieser Ausgabe geht es einmal nur um die KUNST mit den Themen: - Was ist Kunst für Sie? - Ways of Seeing - sein professioneller, parasitärer und elitärer Status in der Gesellschaft - das Kunst-Gelaber von der Kreativwirtschaft - die Künstleranerkennungs-Kommission - das Tribunal der Hängekommission - Was hat der Künstler sich (nur) dabei gedacht? - Kann man die Künstler bitte einmal in Ruhe arbeiten lassen? - Dixi-Klo: Begegnungsraum der Kunst - Grenzenlos frei - Gemälde mit jungen Frauen verkaufen sich besonders gut! - Reitende Topflappen --- usw. usf.

Außerdem gibt es noch alte Restauflagen von plastic-indianer no 01 bis no 22 zu besichtigen und zu erwerben.

Gerahmt wird das Ganze mit Bildern aus der Werkreihe "plastic-indianer" von Bernhard Springer.

Alles dies und noch viel mehr in den Domagkateliers Raum N.O. 16
Sonntag 15.02.2015
von 15 - 19 Uhr

P.S.: Ganz im Sinne des digitalen Zeitalters wird der besprochenen PLASTIC INDIANER NO 23 in Auszügen auch auf der entsprechenden website (auch zum Download) veröffentlicht:
www.plastic-indianer.de

 

 

 

 

 

 

 

 

plastic-indianer bei "Zines #3: Die frühen 80er"


2. Februar 2015

wir sind mit unserem Fanzine "plastic-indianer" (hrsg. v. Wolfgang L. Diller und Bernhard Springer) bei untiger Ausstellung "Zines #3: Die frühen 80er" vertreten. Außerdem werde ich - ganz in alter analoger Tradition - ein paar fotokopierte Exemplare unserer neuesten Ausgabe "plastic-indianer no 23: Reitende Topflappen" mitbringen. Denn wir haben in letzter Zeit die alte Tradition des Fanzines-Schnippeln wieder aufgegriffen - die Zeiten sind danach. Inzwischen kann man Auszüge davon allerdings im Sinne des digitalen Zeitalters auch auf unserer website www.plastic-indianer.de ansehen und herunterladen.
Ich würde mich freuen, Euch im Zentralinstitut zu treffen.
Der plastic-indianer

 


Zines#three – die frühen 80er. Künstlerzeitschriften aus der Sammlung Hubert Kretschmer, München (Archive Artist Publications)

06.02.2015 um 18:15 bis
31.03.2015 um 20:00

Ausstellung im Zentralinstitut für Kunstgeschichte, 6.2.2015 - 31.3.2015, Nördlicher Lichthof, 1. OG.

Eröffnung am 6. Februar 2015, nach dem
Abendvortrag von Hubert Kretschmer: 35 Jahre Archive Artist Publications
(18:15 Uhr, Vortragsaal, 2. OG)

Nach den Vorgängerausstellungen 2013 und 2014, die Produktionen der siebziger Jahre präsentierten, wird unser Vitrinenausstellungszyklus Zines – Künstlerpublikationen aus der Sammlung Hubert Kretschmer (Archive Artist Publications) nun mit einer Auswahl von Publikationen der achtziger Jahre abgeschlossen. Diese Zeit bildet neben ganz aktuellen Publikationen den Schwerpunkt von Hubert Kretschmers Münchner Archiv Künstlerische Bücher / Archive Artist Publications (www.artistbooks.de).
Gezeigt werden über 200 Hefte aus mehr als 70 zeitschriftenartigen Künstlerpublikationen aus 11 Ländern. Es überwiegen wiederum die deutschsprachigen Beispiele, doch die relativ zahlreichen Titel aus Kanada, Frankreich und den USA erinnern an die Wichtigkeit gerade dieser Länder für die alternative Künstlerbuchszene der Zeit. Archive Artist Publications. Auswahl einiger Künstlerpublikationen. Foto Hubert Kretschmer

Die Palette reicht von Zines‘ im engen Sinne der Eigenproduktion mit einfachen Mitteln und der Nutzung alternativer Vertriebswege über mit dem Tageszeitungsformat spielende Projekte wie „Killt“ oder „Der Neger“ bis zu international berühmt gewordenen Kunstmagazinen im Illustriertenformat wie Andy Warhol’s „Interview“ oder das von der kanadischen Künstlergruppe General Idea produzierte „File Megazine“. Einige Beispiele wie „Amtramdram“ und „Toi et moi pour toujours“ kommen aus der in den achtziger Jahren aufblühenden französischen Graphzines‘-Produktion, von der das ZI bereits eine herausragende Sammlung besitzt. Judith Hoffberg’s „Umbrella“ und „Instant Media“ Nr. 16, das Katalogheft zu Hubert Kretschmers Pariser Ausstellung von 1986, bezeugen das frühe Bemühen um bibliographische (Selbst-)Dokumentation und Archivierung, aus dem heraus auch Hubert Kretschmers Archiv 1980 entstanden ist. In Bibliotheken sind solche Materialien weiterhin rar. Der überwiegende Teil der gezeigten Titel ist bislang weder in der Bibliothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte noch in anderen bayerischen Bibliotheken vorhanden. Wir freuen uns deshalb besonders, diese Künstlerpublikationen im Kontext des DFG-geförderten Projekts Studienzentrum zur Moderne - Bibliothek Herzog Franz von Bayern im Zentralinstitut für Kunstgeschichte zeigen zu dürfen.

Archiv Künstlerische Bücher / Archive Artist Publications
Das Archiv ist hervorgegangen aus den Ausstellungen für Künstlerbücher in der Produzentengalerie München (ab 1979) und basiert auf den Beständen von „verlag & distribution kretschmer & großmann“ (ab 1980). Die Sammlung wird laufend ergänzt durch Zukäufe, Schenkungen und Leihgaben und umfasst heute ca. 40.000 Items, davon sind über 12.000 Stück in einem online Katalog erfasst und öffentlich recherchierbar: www.artistbooks.de
zines#three
Zur Ausstellung erscheint eine Katalogzeitung mit Beiträgen von Hubert Kretschmer, Daniela Stöppel und Rüdiger Hoyer.
Online-Ausgabe (PDF)

Eine Führung durch die Ausstellung mit Hubert Kretschmer findet am Donnerstag, 19.3.2015, 17.00 Uhr statt.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

AusgeARTet


7. März 2014

Die Stimmung in der Künstlergemeinschaft in den DomagkAteliers ist gedrückt.
40% Prozent der Kollegen werden demnächst nicht mehr dabei sein, über 30 verdiente Künstler wurden von einer vom Kulturreferat eingesetzten Jury rausgeschmissen, darunter sind alle Musiker bis auf einen letzten Mohikaner, ein Großteil der Medienkünstler und Fotografen, die alle mit großem Zeitaufwand und hohen Summen in den Ausbau der nur rudimentär renoviert übergebenen Ateliers investiert hatten und das entgegen zuvor gemachten Zusagen.
Dazu kommt, dass die Presse nur begrenzt berichterstattet, die Verwaltung und Politik vehement Druck ausübt, um das Thema aus dem Wahlkampf herauszuhalten, und sich Gerüchten von angeblich antisemitischen Umtrieben und persönlichen Konflikten zu eigen macht, um das Prinzip der Selbstverwaltung zu entwerten.

Jetzt gibt es wenigstens einen Film, der den Argumenten der Künstlerschaft eine gebührende Plattform bietet, in dem gezeigt wird, wie wenig das vom Kulturrefart den DomagkAteliers übergezogene Prinzip der Rotation dem Erhalt und der Pflege einer gewachsenen Kultur dienen kann,

Doch wer wird diesen aufschlußreichen Streifen sehen?

http://vimeo.com/89643354

 

 

 

 

 

Wer kann dazu schon Nein sagen?


3. März 2014

Es muss leider raus: nachdem selbst in der so renommierten SZ von hochgeschätzten und kompetenten Schreibern in jedem (gefühlt) dritten Artikel nach dem kreativen Aufmacher und der Ausbreitung des Themas dieser grauselige Satz kommt: "Aber dazu später mehr" - bleibt nur noch ein "grrrhhhh!".
Was soll diese grässliche Mode? Was ist daran so ansteckend, dass sie in immer mehr Artikel vorkommt? Dass ihr inzwischen selbst eindeutig gute und kreative Schreiber anheimfallen? Denn diese Floskel dient der reinen Faulheit, einen gescheiten Übergang zu konstruieren oder die einzelnen Argumente im weiteren Verlauf kreativ einzubinden. Und wie man im konkreten Fall weiß und sieht hat die Autorin das eigentlich nicht nötig. Es muss sich wohl um einen Virus handeln.

 

 

 

 

BEHIND THE ZINES


29. Januar 2014

In der Produzentengalerie iRRland im Münchner Westend Bergmannstr. 8 fand vom 23.1. bis 28.1.2014 die Ausstellung BEHIND THE ZINES statt www.volxvergnuegen.org.
Hier waren neben vielen anderen Fanzines auch Ausgaben des plastic–indianer aufgehängt. Als Abschluss der täglichen Veranstaltungen fand am 28.1.2014 ein Gespräch mit Bernhard Springer als einem der Macher des plastic-indianers statt, an dem vor allem aus der Runde des Kollektivs, das die Galerie und das eigenen Fanzines SCHROTTLAND betreibt, Fragen gestellt wurden. Hier ein Auszug:

 

Frage: War das Fanzine-Machen für Dich mehr Fanzine machen z.B. in Form von Berichterstattung über Punk-Konzerte oder doch eher Kunst machen?

BS.: Wie gesagt, die Idee und Initiative, ein Fanzine zu machen, ging von meinem Kollegen Wolfgang L. Diller aus. Er hatte auch schon die richtigen (Punk-)Scheiben und das richtige Hintergrundwissen, auch aus seinem Kunstgeschichtsstudium, während ich meine Begeisterung für und die Literatur über DADA mit in die Verbindung einbrachte.
Anfangs eiferten wir noch den Vorbildern nach und schrieben nach Besuchen in Ampermochingen Konzertberichte. Aber von Anfang an sollte das Fanzine auch eine Postille über unsere Produzentengalerie "Galerie U5" im Münchner Westend sein, mit Ausstellungsankündigungen, Manifesten und Dokumentationen von Ausstellungen und Künstlergesprächen. Dazu war es ein Forum für befreundeten Kollegen, die sich mit eigenen Beiträgen austoben konnten oder dazu eingeladen wurden. Es gab sogar Austausch mit anderen Fanzines wie „Massive Vergeltung“ aus dem Rheingebiet (? - glaube ich).

Für mich war das konkrete Machen des Fanzines, also das Schnippseln und kleben der Seiten, nichts anderes wie meine andere Arbeit auch. Im Endeffekt waren es Collagen, manchmal hergestellt im Prinzip des Zufalls, wie es auch die Dadaisten ja schon propagiert und angewandt hatten. In diesem Sinne waren die Hefte Bestandteil meines künstlerischen Werkes genauso wie auch meine Arbeiten in Oel oder Acryl auf Leinwand.

Dazu muss man sagen, dass unsere künstlerische Arbeit für uns einen anderen Stellenwert hatte als am Kunstmarkt üblich, vielleicht weil wir jung waren, aber auch in Abgrenzung zu dem damals immer noch vorherrschenden und üblichen Geniekult sowie der Überhöhung der künstlerischen Arbeit. Gerade in den manifestartigen Beiträgen des plastic-indianers kann man das gut nachlesen. Für uns war die künstlerische Arbeit nichts anderes wie jede andere Arbeit auch. Dafür wollten wir sie auch wert geschätzt wissen. Die Presse nahm diese Haltung auch gerne auf. Z.B. zitierte die Münchner tz am 15.2.1983 unter der Überschrift „Arbeitswut jenseits der "Wilden’“ W.L. Diller mit seinen Worten: „Arbeiten ist das einzige, was wir wirklich verbissen tun!“.

Ja, in diesem Sinne ist das Fanzine Machen für mich Kunst, insbesondere wenn ich den vorherigen Hinweis noch einmal aufnehme, warum man sich die mühselige und zeitraubende Arbeit der analogen Schnippselei auf sich nimmt, anstatt die Seiten digital zu generieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SORRY - plastic-indianer spricht blogmist!


16. November 2013

plastic – indianer..

..spricht blogmist: da gab es leider ein Kuddelmuddel, weil der blog doppelt geführt wurde, einmal auf der website www.bernhard-springer.de und außerdem gleichzeitig auf der Fanzine-website
www.plastic-indianer.de. Dadurch war manches doppelt aufgeführt, aber vor allem fehlten diverse aktuelle Beiträge. Das ist ab sofort abgestellt. Allerdings wird es noch ein bißchen dauern, bis mit dem Abgleich alle Lücken geschlossen sind. Ich gelobe Besserung.

Der plastic-indianer

 

 

 

 

 

20 Jahre Domagkateliers


27. Juni 2013

20 Jahre Domagkateliers - Katalog der derzeitigen Künstler in den Ateliers mit CD der im Haus beheimateten Musikern.

 

Eine freie Gesellschaft entsteht nicht, indem die alte
Ordnung durch eine „neue Ordnung“ ersetzt wird.
Sie entsteht vielmehr durch die Ausdehnung des
Raumes für freie Handlungen, bis diese das soziale
Leben bestimmen.

Paul Goodman: The May Pamphlet, 1946

 

Und solang du das nicht hast
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

Johann Wolfgang Goethe:
Selige Sehnsucht,
in: westöstlicher Divan

Vorwort


Nach Auflassung der Funkkaserne begannen Ende 1992 erste Künstler auf der Suche nach günstigem Atelier- und Wohnraum auf das Kasernengelände an der Domagkstrasse im Norden von Schwabing zu ziehen. Sie wussten den Freiraum des weitläufigen Geländes zu nutzen und schnell entwickelte sich diese spezielle Kultur mit ihrer Mischung aus diversen Kunstsparten und Herkunftsländern. Am Ende gab es 11 Atelierhäuser mit 250 Ateliers, die von selbstverwalteten Vereinen getragen wurden und den legendären Ruf von Europas größter Künstlerkolonie begründeten, die neben so historischen Vorbildern wie Worpswede oder Monte Verita (Wikipedia) genannt wurde.

In James Fenimore Coopers Romanzyklus „Lederstrumpf“ wird der gealterte Natty Bumppo von der Grenze eingeholt und als ihm die jetzt vorherrschenden Krämer und Pfarrer das Leben schwer machen, nimmt er die Büchse vom Haken, zieht die Fransenjacke an und zieht wieder ins Indianerland weiter.

Bei den Domagkkünstlern kann man nicht sicher sein, ob sie jetzt die Frontier oder die Indianer sind. Als Künstler sind sie vielleicht beides: die Grenzüberschreiter und die Fremden. Aber an der Geschichte der DomagkAteliers ist vieles exemplarisch. Hier offenbart sich eine beispiellose Laborsituation.

Am Anfang steht das kreative Chaos als notwendiges Biotop für die Entfaltung von Kunst. Dann entwickeln sich die Kräfte der Selbstorganisation mit selbstbestimmten und basisdemokratischen Strukturen, um Organisationsformen zu schaffen.
Am Ende wird es auch eine Zerreißprobe zwischen dem Anarchismus eines Künstlerdaseins und den Erfordernissen oder Begehrlichkeiten einer, von entgegengesetzten Ansprüchen bestimmten, Gesellschaft. Wie viel Unruhepotential ist nötig und wie viel Stagnation ist tolerierbar? Was kann Kunstförderung leisten oder wo sind ihre Grenzen? Muss Kunst subventioniert werden und wie viel, oder findet sie - frei nach „Jurassic Park“ – ihren Weg? Bei den DomagkAteliers jedenfalls stand am Anfang der Entstehung die Eigeninitiative der einzelnen Künstler.

Der vorliegende Katalog gibt einen Überblick über die Künstlerschaft der DomagkAteliers im Jubiläumsjahr 2013. Er zeigt eindrücklich das hohe Niveau der hier ansässigen Künstler. Das wird nicht zuletzt auch durch die internationale Ausstellungstätigkeit und Vernetzung, die weltweite Beachtung in Publikationen, auf Messen und mit Auszeichnungen dokumentiert. Bemerkenswert aber ist dieses Niveau im Kontext der geschilderten Entstehungsgeschichte. Auch wenn das Haus 50 am Ende des Auflösungsprozesses von der Stadt finanziert und renoviert und die neuen Mieter dem Auswahlprozess einer Jury unterworfen wurden, alle Künstler entstammen der Künstlerkolonie und manche von ihnen sind von Anfang an beteiligt gewesen. So stellt sich am Ende die Frage, ob Zufall oder Schicksal die Gemeinschaft zusammenführten und ob oder wie diese einzigartige Domagk-Kultur das künstlerische
Schaffen und dessen Niveau prägten – Stoff für jede Menge Doktorarbeiten.

Zur Feier von 20 Jahren DomagkAteliers mischt sich zur Wehmut an vergangene Tage auch ein Stolz auf das Erreichte und vor allem der gemeinsame Wille, die Zukunft im Sinne der Künstlergemeinschaft zu gestalten.

Bernhard Springer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Du fehlst uns...


18. März 2013

 

 

 

 

Bilderarbeit ...


19. Februar 2013

Zu ROOOAW - Eine Reminiszenz an MICHEL VAILLANT und Hommage an JEAN GRATON

Mit ROOOAW habe ich mir selbst ein Bild als Erinnerung an die Jugend gemalt, in der ein Klassenkamerad die Hefte mit den Abenteuern des Rennfahrers Michel Vaillant mit in die Schule brachten. Ich selbst konnte mir damals so etwas selber nicht leisten. Ich war auch damals kein Autofan, aber vollkommen fasziniert und begeistert von dem Zeichenstil, mit dem Jean Graton die Bewegung und Action der Handlung in Szene setzt. Obwohl ich die jetzige Reminiszenz an meine Schulzeit zwar in meinem Malstil und in meiner Farbpalette angefertigt habe, ist es ein Einzelstück innerhalb meiner Werkzyklen geblieben. Trotzdem hat es mir der künstlerische Leiter des Kunstvereins von Hohenaschau abgeschwatzt und sofort im Chiemgau verkauft. Jetzt muss ich darauf warten, bis ich endlich wieder Zeit finde, mir eine zweite Hommage leisten zu können.

 

 

 

 

 

EROS II



06. November 2012

EROS - TEIL II.
Ein Projekt von Kunst und Wissenschaft
6.11.-11.11-2012, Städtische Galerie halle50, Domagkateliers, München

Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung von Klaus-Jörg Schönmetzler, Kulturreferent des Landkreises Rosenheim

Verehrte Damen und Herren,

eigentlich, so sollte man meinen, sei das heutige Thema längst outdated und erledigt. Denn die großen Schlachten um den Eros, um die Kunst und Freiheit wurden in den sechziger Jahren geschlagen, also vor fast einem halben Jahrhundert. Und ich alter Zausel darf mich fast schon glücklich schätzen, dass ich sie noch selber miterleben durfte. Ach, lassen Sie mich für ein paar Augenblicke schwärmen! Wie zum Beispiel der Religionslehrer unseres Gymnasiums sich mit erigiertem Zeigefinger vor die Klasse stellte und erklärte, die Lektüre von Günter Grass’ „Blechtrommel“ sei ein Vergehen wider so ziemlich alle zehn Gebote und müsse unbedingt gebeichtet werden, wollten wir nicht auf ewig in der Hölle braten. Oder wie es dem Direktor eben jenes Bildungsinstitutes vorbehalten blieb, uns Abiturienten einen ersten, scheuen Einblick in die Liebeslyrik von Ovid zu gewähren (was er mit gequältem Lächeln und mokantem Hüsteln absolvierte). Und zuletzt – ein Anblick von nicht enden wollender Komik –, wie anno 1964 gut ein Dutzend unserer wackeren Lehrer mit ihren Fahrrädern den Zugang zu jenem Kino blockierten, in dem Ingmar Bergmans Meisterwerk „Das Schweigen“ lief. Offen gesagt: die Jahrgänge der heute Fünfzehn-, Zwanzig-, Drei- ßig-, Vierzigjährigen haben da im Leben wirklich was verpasst.

Positiver formuliert aus der Distanz von beinahe 50 Jahren: Ich frage mich, ob wir hier und heute in der Kunst noch anders können, als mit dem Thema Eros reflektierend zu verfahren. Einerseits, da wir den gewaltigen Ballast von 35.000 Jahren Kunstgeschichte schlichtweg nicht von unseren Schultern kriegen. Die berühmte Venus von Hohlefels als erster künstlerischer Frauenakt datiert auf etwa 33.000 vor Christus – und seither riss die Linie erotischer Bilder und Skulpturen nicht mehr ab (was uns Zamp Wimmer mit seinen Collagen altindischer, japanischer, chinesischer und französischer Graphik sehr vergnüglich demonstriert). Andererseits gilt es, darüber nachzudenken, welche Aspekte sich in Zeiten von Web 2.0, also in Zeiten einer ubiquitären virtuell-erotischen Verfügbarkeit, dem Thema überhaupt noch abgewinnen lassen.

Eben deshalb ist der heutige Abend zugleich Auftakt eines Diskurses, der bildende Kunst und Wissenschaft im Abwägen solcher Aspekte vereint. Dieser Diskurs findet hiermit zum zweiten Mal statt. Wobei mir Bernhard Springer als einer der Initiatoren erzählte, wo groß bei der ersten Begegnung das Fremdeln zwischen den beiden Disziplinen noch war. Die Künstler saßen eher ratlos, wenn man ihnen den französischen Bildungsroman der Aufklärung als ersten großen Spielplatz einer Differenzierung zwischen selbst- und fremdbestimmter Sexualität nahe zu bringen suchte. Während die Wissenschaftler staunten, wie sehr die Künstler von Farb- und Formstrukturen, vom gestischem Impetus und Fantasie ausgingen, ohne sich um Theorie, um Analyse viel zu scheren.

Bernhard Springer allerdings ist beides: Maler und Wissenschaftler. Gerade deshalb zeigt nun seine neue große Serie, wie unvereinbar beide Kräfte letztlich sind. Die Bilder entstanden unter dem Eindruck der Lektüre des Romans „Elementarteilchen“ des französischen Philosophen Michel Houellebecq (ein Buch, das man übrigens getrost der Tradition des französischen Bildungsromans zuordnen darf). Zugleich jedoch ist der Roman auch angewandte Philosophie. Denn er zeichnet in seinen Figuren zugleich in nuce eine Art Kulturgeschichte des Sexus.
Nur – von eben dieser Ebene können die Bilder Bernhard Springers definitiv nichts wissen. Sie können – und das ist das Wesen aller Bildenden Kunst – zunächst alleine Körper nachbilden. Sie können Metaphysik und Philosophie einzig durch Verfremdung andeuten, hier also durch Springers typisch konträre Neonfarben, in denen Blaugrün für den Mann und Pink für die Frau das Inkommensurable (eben die „Elementarteilchen“) zeichnen, während die warme, „erotische“ Farbe Rot allein der Kleidung und dem Ambiente vorbehalten bleibt. Der große Rest jedoch ist schiere Malerei.

Das sollten wir erwägen, ehe wir auch nur den Ansatz einer wissenschaftlich analytischen Position einbringen. Die beiden großen, schönen Arbeiten von Petra Beeking sind dafür die besten Beispiele: Denn sie sind zunächst schiere Malerei – eine scheinbar spontan wilde Eruption der Farben. Dass dabei am Ende für unser Auge dennoch Akte entstehen, scheint fast zufällig – und ist doch ein gewiefter Trick, der den Betrachter provoziert, das Bild als Abbild erst in seinem Kopf völlig zusammenzusetzten – und es damit zugleich zu interpre-tieren. Was sich mit dem Bereich der kognitiven Wissenschaften durchaus fas-zinierend trifft.

Meine Damen und Herren, der Ausstellungstitel nennt die heutige Schau und ihr nachfolgendes Programm ein „Projekt von Kunst & Wissenschaft zum Thema der sinnlich-geistigen Zuneigung“. Mit dieser „sinnlich-geistigen Zuneigung“ ist der antike Begriff des Eros zwar recht schön umschrieben. Nur fügt er sich in die Realität unserer Gegenwart längst nicht mehr ein. Salopp gesagt: Ein Erzieher, der heute noch vom „pädagogischen Eros“ schwärmen würde, liefe Gefahr, als potenzieller Kinderschänder angezeigt zu werden. Nein, es sind weit eher die Konfliktfelder, die noch immer kaum geklärten Rollenbilder, welche den Diskurs bestimmen.

Das Künstlerpaar Annegret Bleisteiner und Wolfgang Diller hat hier zwei Wel-t-wahrnehmungen, die eigentlich seit 30 Jahren erledigt sein sollten und es doch nicht sind, ebenso plakativ wie bestechend ausformuliert. Einerseits die platteste der Männerfantasien: coole Weiber vor gefährlichen Höllenflammen. Andererseits die platteste der Frauen-Realitäten: zum Bildobjekt erhühte Putzkübel und Abfalleimer. Viel zynischer und böser aber sind die zugehörigen Videos. Das eine zeigt in Endlosschleife originale Werbeclips deutscher Bordelle aus dem Internet. Das andere zeigt den Ringtausch und den scheuen Kuss bei jenen Fürstenhochzeiten, welche dem Deutschen Fernsehen nach wie vor Rekord-Einschaltquoten bringen. Direkter lässt sich das Auseinanderklaffen zwischen Utopie und Wirklichkeit, zwischen Pornographie und Kitsch, zwischen Emanzipation und Rollenklischee nach 250 Jahren Aufklärung kaum formulieren.

Carl H1 Daxl zielt in seinen Bildern übrigens in eine ähnliche Richtung. Er zeigt – in der Häufung völlig unerotisch - Serien von Werbepostern für die Damen diverser Nachtclubs und Bordelle.

Verehrte Damen und Herren, es kann nicht das Ziel der ersten Erwägung sein, alle Objekte dieser Ausstellung einzeln zu diskutieren. Sie sollen schließlich selbst entdecken und erwägen. Ein paar kleine diskursive Schlaglichter aber seien mir am Ende noch gestattet.
Keine andere Kunstform wurde durch die Omnipräsenz der Warenwerbung schlimmer in ihrer Integrität geschädigt wie die erotische Fotografie. Da lässt sich, um es neudeutsch auszudrücken, einfach nichts mehr toppen. Man kann sich eigentlich nur noch distanzieren, um vielleicht ein paar kleine, fast verlorene Reservate rückgewinnen.
Stephan Schuster versucht es, indem er den Stier bei den Hörnern packt: indem er die geschönte Wellen-, Wisch- und Weich-zeichner-Ästhetik der Werbung um einen kleinen Tick übertreibt. Fast könnten seine Großfotos PR-Aufnahmen für eine Therme oder einen Wellnessurlaub in Kärnten sein. Aber der kleine Tick neben der Spur – die abgeschnittenen Gesichter und die daraus resultierende Fokussierung auf den Körper – vereiteln dies.

RP Kahl dagegen gelingt mit seinem Video auf ganz ruhige, fast statisch unaufgeregte Weise, in einem Video und den zugehörigen Standfotos eine banale, aber elementare Einsicht herzustellen. Nämlich, dass eine nackte Frau kein Sexobjekt, sondern ein Mensch mit Charakter, Integrität und Würde ist. Dass Voyeurismus also nicht im „Objekt“ und nicht in der Sache liegt (beide Begriffe entlarven in sich ihren ganzen Zynismus); sondern einzig im Betrachter.

Und Florian Huth entgeht dem Klischee, indem er in seinem Video das Bild einer Nackten mit Aberdutzenden weiterer Bilder changierend überlagert und so aus dem Expliziten etwas Schwebendes, Ungreifbares erschafft.

Haben wir ein wichtiges Thema unterschlagen? Ja, das haben wir: Die Ironie. Die ist der Bildenden Kunst durchaus gegeben – auch wenn sie sich (es wären denn die wunderbar eindeutigen Cartoons von Axi Hohenstein oder Trommeter – Szabos herrlich absurd gestrickter Pudel) erneut vor allem im Kopf des Bet-rachters ereignet.
Was also sind die erotischen Primär-Attribute einer modernen Frau? Richtig: Schuhe und Handtaschen. Und da stehen sie, Corinna Haucks drei Handtaschen aus Muschelkalk, Carrara-Marmor und Potsdamer Sandstein: hinreißend gewitzt das Zentnergewicht, das letztlich Untragbare einer spezifisch weiblichen Last bezeichnend.

Das zweite Beispiel ist ein seltsames Objekt von Susu Gorth: Ein Strahlenkranz gleich einer katholischen Monstranz, jedoch aus Draht und aus vergoldeten Brokat-Gardinen. Darauf jedoch projiziert, zunächst kaum wahrnehmbar, ein grob pornographisches Video. Das ist fraglos Ironie, aber zugleich in hohem Grade deutungsoffen. Geht es da nur um die jüngsten Sex-Skandale in der Kirche? Oder doch um die sehr gründlich verdrängte, große urchristlich-gnostische Vision, erst in der geschlechtlichen Vereinigung werde Gott ganz erkennbar?

Genug! Wer darüber mehr rätseln – oder mehr erfahren will, hat in den nächsten Tagen ausführlich Gelegenheit. Ecken und Kanten, an denen auch die Wis-senschaft sich reiben könnte, gibt es jedenfalls genug.
Nur eines noch – ein Letztes aus privatester Seele. Von den Notständen in rebus sexualibus zu Zeiten meiner Adoleszenz war anfangs schon die Rede. Nehmen Sie also zum Beschluss noch das vernichtende Bekenntnis: Das erste nackte Mädchen meines Lebens war eines, das ich mir aus Fimo (einer plastilinähnlichen Masse) selbst geknetet hatte. Und dass Josephine Kaiser genau daraus nun eine wunderbar freche, witzige und provokante kleine Kunst gemacht hat, ist für mich eine weitere Quelle des nicht enden wollenden Entzückens.


Womit ich Ihnen einen sehr schönen Abend wünsche.


 

 

 

 

 

Eröffnung TAG Temporary Art Gallery



 

10. Mai 2012

Ansprache zur Eröffnung der TAG am Sapporobogen 6-8 mit der Vernissage CHIEMGAU ABORIGINALS

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich außerordentlich, Sie mit der Vernissage CHIEMGAU ABORIGINALS zur Eröffnung unseres Projektes der temporären Galerie TAG begrüßen zu dürfen.

Beinahe über 4 Jahrzehnte habe ich das Entstehen und Vergehen der Münchner Hallenkultur und anderer exorbitanter Veranstaltungsorte in München miterlebt.
Das geschah zuerst natürlich als Besucher von Konzerten z.B. in der Alabamahalle - damals an der Schleißheimerstrasse -, aber dort auch schon bald als Autor für „Live aus dem Alabama“ - da habe ich Herrn Jauchs berühmte Karteikarten kennen lernen dürfen -, dann als Künstler und Mitorganisator von Veranstaltungen wie bei der „Negerhalle“ an der Dachauerstrasse.

Ein einschneidender Moment aber war, als ich 1988 von Christiane Heinrich, der damaligen Geschäftsführerin von IN-München, den Auftrag erhielt, das Vergehen der Münchner Hallenkultur künstlerisch zu dokumentieren und in jenem Jahr mit dem Malen der Alabamahalle begann. Es folgten die Negerhalle, die Theaterfabrik, das Schwabinger Bräu, der Konzertsaal des Deutschen Museums usf..

Am Anfang geschah dass durchaus mit jugendlichen Zorn, der mit den Jahren eher Wehmut wich und am Ende – sozusagen mit der Altersweisheit - der Erkenntnis Platz machte, dass zu einer lebendigen Kultur unverzichtbar das Werden und Vergehen gehört, es quasi das goehtezeitliche Stirb und Werde braucht, wie es Goethe im Westöstlichen Divan im Gedicht „Selige Sehnsucht“ wiedergibt:
„Und solang du das nicht hast, / Diese: Stirb und Werde! / Bist du nur ein trüber Gast / Auf der dunklen Erde.“
Deshalb haben wir dann jene Hallenkultur Serie mit dem Bild der gerade geöffneten Muffathalle beendet. Dafür gibt es die heute noch.

In diesem Sinne ist es leicht verständlich, dass mir das Projekt einer temporären Galerie konzeptuell sehr entgegenkommt. Der kreative Schub, der aus der temporären Nutzung von zeitweilig leerstehenden Räumlichkeiten ausgeht, hat auch mich sofort beflügelt. Das Programm der TAG wird geleitet von meinen Erfahrungen und meiner Nähe als Kollege zu den ausstellenden Künstlern.

Wie aber fiel die Wahl der ersten Ausstellung auf die namhaften Kollegen, die entweder aus dem Chiemgau stammen oder dort leben und arbeiten (- mit der Ausnahme des Bildhauers und Gastes Stephan Quenkert)? CHIEMGAU ABORIGINALS und kam es zur ersten Aisstellung und welche Programmatik steckt hinter dem Konzept von CHIEMGAU ABORIGINALS?

Ich könnte jetzt viele, auch konzeptuelle und theoretische Ausführungen dazu machen, aber wenn man ehrlich ist, sind es oft ganz persönliche Beweggründe, die aus Begegnungen und Ereignissen entstehen. Da war zum einen erst einmal die Tatsache, dass ich mich im Chiemgau wegen einer Reha länger aufgehalten habe. Dann habe ich im Kunstverein Hohenaschau unter der künstlerischen Leitung von Rudolph Distler öfters ausgestellt, neue Freunde und auch Sammler gefunden. Für die dort erfahrene Offenheit und Gastfreundschaft, die ich dort erfahren habe, wollte ich einfach etwas zurückgeben.

Aber natürlich lässt sich zu den Künstlern und der im Chiemgau beheimateten Kunst einiges sagen. Erst einmal habe ich den Regionsbegriff reichlich großzügig ausgelegt. Ich orientiere mich da eher an dem Siedlungsgebiet der Kelten oder an dem Gebiet, wo jener obskure Komet eingeschlagen haben soll.

Aber um Ihnen genauere Einblicke zu den Künstlern und den Besonderheiten der Region geben zu können, habe ich mir erlaubt, Klaus Jörg Schönmetzler, den von mir so hochgeschätzten Kulturreferenten des Landkreises Rosenheim, zu bitten, mir mit seinem Sachverstand auszuhelfen. Ich schätze ihn nicht nur wegen seines so selten gewordenen pfleglichen Umganges mit der deutschen Sprache. Obwohl wir beide aus wissenschaftlich unterschiedlichen Disziplinen stammen, haben seine von großem kulturellen Wissen zeugenden hermeneutischen Ausführungen immer wieder dazu geführt, dass ich mir die Bilder der Ausstellungen mit neuen Augen noch einmal angeschaut habe.

Zu dem Gelingen dieser Ausstellung und dem Zustandekommen des Projektes haben viele Freunde und Unterstützer beigetragen, auch mit Ideen und im Dialog. Zum Glück sind wir hier nicht auf der Verleihung eines Filmpreises. Deswegen muss ich Sie nicht mit dem Verlesen einer langen Liste langweilen. Die meisten von ihnen sind sowieso anwesend und ich werde mich persönlich bei ihnen bedanken. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und noch einen vergnüglichen Abend mit dem fantastischen Ausblick sowie der Musik der fantastischen Monobo Son und meines alten Freundes DJ Upstart, der gerade als „The ½ century man“ die ganze Stadt geziert hat.

Bernhard Springer

 

 

 

 

 

ganz entspannt den Zug versama!


05. Oktober 2011

Das DB-Bashing nervt inzwischen. Ich kann zwar den Ärger verstehen, aber leider habe ich anscheinend Glück gehabt und mich selten über die DB ärgern müssen. Oder liegt das an meiner Sozialisation? Meine Eltern sind nach dem Krieg in den Westen geflohen. Da waren sie froh, wenn sie noch auf den Zug draufgekommen sind.
Ich empfehle: / Wie in der Toskana / mit dem Dalai Lama / ganz entspannt / den Halt in Wolfsburg versama. / Das ist Freiheit - ..

.. frei nach Josef Hader.

 

 

 

 

Wer macht mit? - Aufruf zum Crowdfunding von DEUTSCH ODER POLNISCH


05. Juni 2011

Wer macht mit - beim Crowdfunding von DEUTSCH ODER POLNISCH?

Vor 5 Jahren wurde die Postproduktion unseres Dokumentarfilms DEUTSCH ODER POLNISCH durch meine schwere Krankheit jäh unterbrochen. Jetzt haben wir durch ein großzügiges Entgegenkommen der Firma B.O.A. die Möglichkeit erhalten, unser Herzensprojekt endlich fertig stellen zu können.

Nach all den Eigenleistungen an Geld, Zeit und Energie und dem Enthusiasmus, mit dem wir all den Rückschläge in der Finanzierung getrotzt haben, möchten wir uns diese Möglichkeit nicht entgehen lassen. Allerdings haben wir in der Kürze der Zeit und aufgrund des fortgeschrittenen Standes des Projektes keine reguläre Finanzierung auf die Beine stellen können. Deshalb greifen wir die recht neue Idee des CROWDFUNDING auf.

 

Was ist CROWDFUNDING?

Crowdfunding ist die Möglichkeit, unabhängige Projekte zu realisieren, die ohne die institutionellen Bedingungen auskommen wollen oder müssen. Zu diesem Zweck wird die Finanzierung dieser Projekte auf viele Schultern verteilt, indem über öffentliche Netze (Internet) oder private Netze (Bekanntenkreis) viele kleine Beträge eingesammelt werden.

Wir möchten hiermit alle unsere Freunde, Sympathisanten und Bekannten fragen, ob sie sich nicht mit einer kleinen Spende an diesem Experiment beteiligen wollen?

 

Was bringt mir das?

Als Anerkennung für die freizügige Unterstützung haben wir uns eine ganze Reihe von Dankeschöns ausgedacht, die nach Höhe der Spende gestaffelt sind und jeweils kumulieren, d.h. jede nächste Stufe erhält ein neues Geschenk zusätzlich zu den Geschenken der vorangegangenen Stufen.

Die wirkliche Anerkennung aber am Dabeisein: Ab jetzt seid ihr von Anfang an beim Projekt beteiligt. Wir werden den Fortschritt des Projektes für jeden Supporter kommunizieren. Und wenn das Projekt an den Start geht, und das wird es, weil es dieses Jahr garantiert vollendet wird, kann jeder Supporter ein Produkt vorweisen, zu dessen Zustandekommen er beigetragen hat.

 

Um was geht es bei DEUTSCH ODER POLNISCH?

Nachdem Moritz Vater geworden ist, interessieren ihn die Wurzeln seiner oberschlesischen Familie. Bisher nur in Mythen oder dem traditionellen Weihnachtsessen mit der Heimat seiner Großeltern in Kontakt gekommen, macht er sich mit mir und seiner Großmutter Elisabeth auf den Weg nach Polen. Dort trifft er auf eine weitverzweigte Familie, den Wieschok Clan, in dem die wechselhafte Geschichte des deutsch-polnischen Grenzgebietes im Kreis Gleiwitz lebendig wird.

Die Erzählungen der Alten reichen vom I. Weltkrieg mit anschließenden Polenaufständen und Volksabstimmung in Oberschlesien über die Nazizeit mit dem Überfall auf Polen, den Folgen der Besatzung und Verfolgung sowie der Befreiung und die Nachkriegszeit beginnend mit der Flucht in den Westen über die polnische Nachkriegsgeschichte bis in die Gegenwart.

Die Mitglieder des Wieschok-Clans spiegeln in ihrer Familiengeschichte alle Facetten dieser Geschichte wieder. Da gibt es den polnisch gesinnten Teil der Familie, der nach der Volksabstimmung von 1921 in den polnischen Teil Ostoberschlesien nach Tarnowitz übersiedelte und nach dem Überfall auf Polen 1939 für ihre Gesinnung im KZ landeten oder als Partisanen überlebten. Dem gegenüber steht der deutsch gesinnte Teil, der sich zur deutschen Minderheit zählte, und von dem nur eine Familie mit ihren neun Kindern in den Westen flüchtete. Der überwiegende Teil blieb in der alten Heimat und bezeichnet sich heute als Oberschlesier, wobei dieses Selbstverständnis ganz unterschiedlich interpretiert wird.

Am Ende unseres Dokumentarfilms lüften wir schließlich sogar jene Familiengeheimnisse, die zur Legendenbildung um die Spaltung der Familie in einen deutschen und einen polnischen Teil geführt haben.

Der Trailer zum Film gibt einen ersten Eindruck in Themen und die Vielfalt des Materials.

 

Wie geht das Crowdfunding von DEUTSCH ODER POLNISCH vonstatten?

Jeder Teilnehmer am Crowdfunding von DEUTSCH ODER POLNISCH überweist einfach den gewünschten Geldbetrag auf das ihm bekannte Bankkonto von Bernhard Springer mit dem Zusatz "Spende DOP" (wichtig, nicht vergessen!). Danach wird die Spende und der Supporter mit dem von ihm gewünschten Namen aufgeführt und über den Fortgang des Projektes entweder wie gewünscht über E-mail (newsletter) oder nach Erhalt des Zugangscodes auf der dementsprechenden Website informiert. Falls ein anderer als der vollständige Personalname in den Credits auf der website angegeben werden soll, bitte diesen hinter dem Spenden-Zusatz vermerken.

 

Viel Spaß beim Mitmachen

und

Vielen Dank für all die Unterstützung, die wir bisher bereits schon von so vielen Seiten erfahren haben, sowohl was das Zustandekommen des Projektes betrifft, aber auch unsere finanzielle Situation und die tatkräftige und freizügige Mithilfe bei der tatsächlichen Produktion des Films.

Eure

Bernhard und Moritz Springer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Informationen zu CROWDFUNDING finden sich hier.

 

 

 

 

 

Weiterführende Informationen zu den
Donations beim CROWDFUNDING von DEUTSCH ODER POLNISCH finden sich hier.

 

 

 

 

 

Weiterführende Informationen zu
DEUTSCH ODER POLNISCH finden sich hier.

 

 

 

 

 

 

 

Der Trailer zu DEUTSCH ODER POLNISCH findet sich hier

 

 

 

Weiterführende Informationen zum Bankkonto finden sich hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

plastic-indianer online!


30. Oktober 2010

plastic – indianer..

..das war zum einen ein Fanzine der Künstlergruppe Ex-Neue Heimat und ihrer Produzentengalerie „U5 – Institut für Bilder-Bilder“ (ca. 1980-1990) im Münchner Westend der 1980er Jahre und ist zum anderen eine der immer noch aktuellen Bilderserien des Künstlers Bernhard Springer.

Das Fanzine "plastic-indianer" wurde damals im typischen 80er Jahre Stil und in überschaubarer Auflage auf dem Fotokopierer hergestellt, an einschlägigen Lokalitäten wie der Galerie "U5" oder bei Konzerten in Ampermoching verbreitet und wird ab jetzt auf www.plastic-indianer.de online weitergeführt.

Bereits damals bedienten sich Künstler und Galerie der Neuen Medien. Die Nummer 15 des Fanzines kam als Künstlervideo heraus (Preis des Europarates auf dem Festival Locarno 1987) und die Galerie zeigte Videokunst aus Turin, Barcelona und Paris (mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferates der Landeshauptstadt München, damals verantwortlich war Dr. Michael Farin). Außerdem wurden Ausstellungen mit allen weiteren Spielarten von Mailart bis Computerkunst (vgl. die programmatische Ausstellung „Sklaven küsst man nicht“, 1989) organisiert. Und auch das fotokopierte Fanzine vereinte alle zeitgemäßen Strömungen und Techniken wie Copyart, Mailart und Graffiti. Der einzige Unterschied zu heute besteht darin, dass Culture Jamming damals „Verarsche“ hieß und Mashup „Collage“.

Deshalb ist es konsequent, wenn die Betreiber von „plastic-indianer“ ihr Treiben auf die nächste Generation der Neuen Medien ausweiten.

Alles bleibt beim Alten
und:
Viel Spaß damit.

Euer

plastic-indianer

 

 

 

 

 

P.S. zu "genau"


11. Oktober 2010

... als angemessene Synonyme zur Vermeidung von "genau" (vgl. Eintrag vom 01. Oktober 2010) empfehlen sich: exakt, definitiv, klar, eineindeutig, sowieso, richtig ...

 

 

 

 

 

Happenings


10. Oktober 2010

Happenings in den 70er Jahren bedeuteten: langhaariger junger Bartträger mit Sonnenbrille und weißem Hemd (Künstler) macht irgendetwas mit einem diffusen Material (Sand, Wolle etc.) auf planer Fläche (Wiese, Galerieboden etc.) und mit nackter Mädchen (deutliche Oberweite, dichte Schambehaarung). Ist wieder stark im Kommen.

 

 

 

 

 

ÄHH - GENAU!


01. Oktober 2010

Floskeln mit Verfallsdatum (s. Eintrag v. 15.09.2009) – einmal ins Blickfeld geraten, sind sie wie Ohrwürmer. Man kann ihnen nicht mehr ausweichen, egal in welcher Form:

- Moden:
Floskeln wie „In Zeiten wie diesen...“ unterliegen Moden, werden irgendwann abgelegt und ersetzt durch Floskeln wie „... (ist jenem und diesem) geschuldet...“

- Jugendjargon:
Generationen ließen sich neben ihrem Verhalten oder Konsum („Generation Golf“) auch nach ihren Sprachfloskeln benennen:
So ist die 90er-Jahre „Nicht wirklich“-Generation im Moment gerade durch die Nachfolge „Genau“-Generation abgelöst. Genau.

- Faulheit:
Gebrauchstexte wie Anmoderationen von TV-Beiträgen scheinen irgendwann die Texter zu ermüden und aus Faulheit greifen alle auf die gleichen Floskeln zurück wie: „Der, die, das xyz begeben sich auf Spurensuche...“

- Propaganda
Floskeln können verräterisch sein, wenn bspw. Politiker übereinstimmend ihre Argumente mit den gleichen Paraphrasen würzen wie:
„Man wird doch noch sagen dürfen, dass...“
oder
„Es kann nicht sein, dass...“
und damit offenbaren, dass sie gleicher Couleur oder Gesinnung sind.

 

 

 

 

 

DER ZWECK HEILIGT DIE MITTEL -
Gemeinnütziger Telefonterror


15. August 2010

Das Telefon läutet. Es ist die übliche Eröffnung des wochenendlichen Telefonterrors. Ich lege einfach auf - sich aufregen bringt nichts. Inzwischen kenne ich alle Varianten, mit denen Callcenter über Gewinnspiele, Beratungsangebote oder Umfragenvortäuschungen mir ein "Ja" für Verträge oder Verkäufe entlocken oder mich in teure Warteschleifen schicken wollen. Diese Mal läßt mich allerdings der zweite Satz der freundlichen Frauenstimme in die Falle tappen. Verblüfft bejahe ich den Hinweis darauf, dass ich doch bereits schon einmal für "Deutschland hilft" gespendet habe. Jetzt möchte die Dame mein "Ja" zu einer Telefonspende für die Flutopfer von Pakistan von meinem Konto, dessen Verbindungsdaten ihr vorliegen. Das verschlägt mir erst einmal die Sprache. Doch dann läßt mir dieser Anruf keine Ruhe. Zuerst einmal möchte ich wissen, ob die Hilfsorganisation überhaupt von dieser dreisten Masche weiß, bevor ich die Angelegenheit weiterverfolge. Auf der Kontakt-Website von "Aktion Deutschland hilft", dem Zusammenschluss deutscher Hilfsorganisationen für Katastrophenhilfe, der insbesondere 2004 bei der ostasiatischen Tsunami-Katastrophe erfolgreich Spenden einsammelte und seit 2006 in Bonn beheimatet ist, fand ich eine Medien-Hotline. Die Mitarbeiterin am Telefon bestätigte mir, dass "Deutschland hilft" tatsächlich ein Callcenter beauftragt hat, in ihrem Namen Spenden einzutreiben. Sie rechtfertigte die Maßnahme damit, dass bisher nur wenige Hundertausende Euro eingegangen seien und dieses Aufkommen noch nicht einmal die Verwaltungskosten trage. Meinen Einwand meinerseits, dass dies keine Berechtigung sei, meine persönlichen sowie Konto-Daten an ein Callcenter weiter zu reichen, entgegnete sie mit dem Angebot, dafür zu sorgen, dass ich nicht mehr angerufen werde.

Heiligt der Zweck die Mittel? Darf sich eine gemeinnützige Organisation wie "Aktion Deutschland hilft e.V." auf die gleiche Ebene wie Telefonabzocker begeben mit dem Argument, dass die notleidenden Menschen unserer Hilfe bedürften? Darf man es als unseriös bezeichnen, wenn eine mit dem Spendensiegel der DZI zertifizierte Organisation Konten- und Kontaktdaten an ein Callcenter weitergibt, das ehemalige Spender zu weiteren Spenden nötigen will? Oder bangen die nett lächelnden Damen vom Gruppenfoto auf der Kontaktseite (www.aktion-deutschland-hilft.de/de/wir-ueber-uns/impressum/) nur um ihren Job, dass sie das Heil in solchen Maßnahmen suchen?

 

 

 

 

 

THE REAL LIFE -

ROTKÄPPCHEN LACKIERT DEN WOLF -
Die Sonderausstellung beim KUNSTSALON 2010 im Haus der Kunst, Nordgalerie*)


18. Juni 2010

THE REAL LIFE

Authentische Einblicke in das aktuelle Kunstschaffen geben, die Förderung junger Künstler unterstützen und die Auseinandersetzungen mit den gegenwärtigen Strömungen pflegen, - das sind die maßgeblichen Ziele von Kunstsalon und FMDK. Dass dies zudem unabhängig von kommerziellen Erwägungen und den Zwängen des Kunstbetriebes passieren kann, gewährleistet die Selbstverwaltung der Künstlervereinigung.

In diesem Zusammenhang erfährt der diesjährige Kunstsalon eine attraktive Neuerung. Neben der alljährlichen Präsentation wird eine konzeptuelle Sonderausstellung ausgerichtet, die geladenen Gäste vorbehalten ist und zur Diskussionen anregen soll. ROTKÄPPCHEN LACKIERT DEN WOLF ist dazu der willkommene Auftakt.

Hier werden vornehmlich Künstler präsentiert, die als Sprüher begannen, sich aber in dem Sinne weiter entwickelt haben, dass sie sich jederzeit mit akademisch erworbenen Techniken und Fertigkeiten messen können. Insofern bietet sich der Vergleich mit den anderen Ausstellern des Kunstsalons an. Es zeigen sich dabei verblüffende Parallelen, wobei die graffiti-typischen Elemente und Begriffe wie Writen, Bomben oder Taggen von Bubbles, Dots, Styles, Characters oder Pieces (dazu gibt es inzwischen zahlreiche fundierte und öffentlich zugängliche Abhandlungen), nur eine untergeordnete Rolle spielen. Entscheidender ist, dass durch den Vergleich Einflüsse und Stilelemente eine andere Perspektive bekommen und Fragen über ihre Herkunft überhaupt erst angeregt werden.

Der zweite Aspekt betrifft das Phänomen LOOMIT und seine internationale „Crew“ - von den phantastischen OS GEMEOS aus Sao Paulo über die Schweizer SMASH137 und TOAST sowie den Anfang des Jahres überraschend verstorbenen DARE bis zu dem erstaunlichen STELIOS FAITAKIS. Der Graffitikünstler LOOMIT alias Matthias Köhler gilt nicht nur als „Godfather“ der Münchner und deutschen Szene und ist für sein Engagement in pädagogischen Projekten bekannt. Er ist vor allem auch ein vielgereister Mann, der auf der ganzen Welt mit anderen Graffiti-Künstlern zusammengearbeitet hat und dort in öffentlichen Räumen mit seinen Arbeiten präsent ist. Um diesen weltweiten Ruhm zu verstehen, muss man sich noch einmal in das Vor-Internet-Zeitalter zurückversetzen, in dem Ferngespräche ein Vermögen gekostet haben und für die Recherche von Namen und Adressdaten Profis bemüht werden mussten. Um sich über Graffiti-Arbeiten an anderen Orten zu informieren und einen Überblick über die Szene zu gewinnen, blieb einem nichts anderes übrig, als sich real mit Interrail und Schlafsack auf den Weg zu machen.

Loomit brachte Fotos mit, tauschte Informationen und knüpfte Kontakte. So entstand ein weltumspannendes und einmaliges Netz, dessen Stärke durch die gemeinsamen Werte und geteilten Abenteuer geprägt ist. Umgekehrt organisierte Loomit, im Sinne des Geben und Nehmens, diverse Freiflächen, die zu Gästebüchern wurden, auf denen internationale Writer-Größen zum Teil bis heute in München verewigt sind. Und so sind sie auch seinem Ruf gefolgt, gemeinsam diese Sonderausstellung zu gestalten. Wichtig dafür ist der geteilte Erfahrungshorizont und die entwickelten Fähigkeiten, die sich so gänzlich von denen auf der Akademie erworbenen unterscheiden. Im ersten Moment mag man an solche Fertigkeiten denken, wie sich im Dunkeln bewegen, schnell weglaufen zu können oder illegal Material und Farbe zu organisieren. Aber es sind auch diverse soziale und kommunikative Kompetenzen, die zum Überleben notwendig sind. Schließlich kommen die Künstler von der Straße und es waren immer erst die übelsten Viertel und dunkelsten Seiten der Städte, in denen Loomit auf seinen Reisen ankam und die er kennen lernte. Und es ist eben ein himmelweiter Unterschied, ob man in den geheiligten Hallen des White Cubes einem andächtigen Publikum seinen Hintern zeigt oder sich in dem öffentlichen Raum der Straße den Kommentaren oder Repressalien von Passanten, Müllabfuhr oder Ordnungskräften stellt.

So kann die Begegnung mit Loomit und seiner Crew auch ein Nachdenken über den Begriff der Kunst bedeuten. Und wenn jenseits des aktuellen Hypes der „Streetart“ immer noch Berührungsängste bestehen, so sind sie geprägt durch die Angst der Sammler, nicht zu wissen ob es sich um Kunst handelt, und des Kunstbetriebes, die Deutungshoheit zu verlieren. Beruhigend zu wissen, dass es auch noch ein Leben und Arbeiten jenseits des Kunstmarktes gibt und theoretisch so viele Vorstellungen von Kunst wie Betrachter existieren.

*) zuerst veröffentlicht als Vorwort zur Sonderausstellung "Rotkäppchen lackiert den Wolf" im Katalog: Kunstsalon 2010, hrsg. von FMDK e.V., München 2010, S. 23-24

 

 

 

 

Vernissage KISS THE SKY
AK 68 Ganserhaus, Wasserburg a.Inn


20. Februar 2010

Eröffnungsrede
Stefan Scherer
Künstlerischer Leiter AK 68

Guten Abend meine Damen und Herren,
lieber Bernhard Springer,
liebe Mitglieder.

Als ich mich in den Vorbesprechungen zu dieser Vernissage mit den "Hamperen" unterhielt, - das ist die Band, die heute abend hier spielt -
meinte einer der Musiker zu mir - und ich glaube, es war der Pianist -:
sie seien halt ziemlich laut, das mache aber nichts, die Bilder seien es ja auch.
Und wie Bernhard Springer mir erklärte, hört er bei der Arbeit tatsächlich laut Musik, unter anderem auch Jimi Hendrix und irgendwann einmal dessen Album "Kiss the Sky", das dieser Ausstellung eher zufällig den Titel gab.

Bernhard Springer selbst hält Bild-Titel für zweifelhaft und sagt dazu, ich zitiere: "Schon die Konvention der Titelgebung ist ein artfremder Akt. Im besten Fall kann daraus ein Spiel werden."

Dieser Ausstellungstitel also erlaubt uns, sich Springers in Malerei umgesetztem Filmtheater, den Zeitungs- und Fernseh-Ikonographien, archaiischen Geistern und Gespenstern mal ganz locker zu nähern, ... und dazwischen auch ein paar vereinzelt aufgestellten, zwergischen Schutzgeistern.

In dem hier im Eingangsbereich platzierten, grossen Triptychon geht's auch gleich zur Sache mit den Himmelsküssern und Höllenfahrern.
Baarder und Enslin im Mittelteil, rechts und links ein collagierter Tatort mit Mercedes-Requisite in knalligen Fehlfarben. So laut wie Jimi Hendrix und ein in krachbunter Vergrößerung abstrahiertes Bilddokument. Und als wäre es eine Metapher zum Satz von Aldous Huxley über den Fanatiker, der seine geheimen Zweifel bewusst überkompensiert, packt Bernhard Springer dieses deutsche, schwarzweiße 70er Jahre Drama szenepuzzelnd in lauten übertreibend leuchtenden Neonpop. "Friendly Fire" heisst dieser Werkzyklus, der uns im Entree und im 1. Stock noch mal begegnet.

Kiss the sky, - und eigentlich geht die Zeile ja "scuse, while I'm kiss the sky" - ist ein bisschen wie Kino, also die Bilder-Serie, die Ihnen hier am Anfang des Rundganges begegnet.
Mich erinnert unser kleines Szenario hier an die schmalen Flure eines Kleinstadtkinos mit seinen historischen Liebesfilm-Plakaten kussfertiger Hollywood-Ikonen.
Springer aber geht über das Inhaltliche der Szene-Bilder und Ikonographien hinaus. Es gelingt ihm durch die Verwendung von Wellpappe als Mal-Grund eine so überraschende, wie erstaunliche Wirkung von Flüchtigkeit und Verwandlung zu erzielen, als befände man sich genau und gerade in der flirrenden und irisierenden 25tel Filmsekunde, in der das Einzelbild zum Einzelbild wechselt, - also der unsichtbare Ort, in den die Werbefachleute, wie die Legende erzählt, ihre Colaflasche montieren.
Und wie ich finde, gelingt es hier Bernhard Springer ebenso virtuos und erfindungsreich, das Charakteristikum des bewegten Bildes, des Films und dessen Flüchtigkeit und Unschärfe aufs Tafelbild zu bannen, wie es die fotographische Unschärfe in der Malerei Gerhard Richters vermag.

Also: "Verachte mir den Meister nicht" oder "Das Werk lobt den Meister".
Das geht aber diesmal nicht an unseren geschätzten Gast, Dr. Bernhard Springer, der u.a. in Filmphilologie promoviert hat, - ich glaube etwas über filmische Erzählstrukturen ... - in diesem Fall nämlich sind es die Untertitel seiner Werkgruppe "Men at Work".
Springer selbst schrieb dazu:
"Eben waren die Bilder selbst nur eine Reaktion auf die Grossbaustelle vor unserer Wohnung, dann passten sie vorzüglich als Kommentar zur Bankenkrise und am Ende begannen die Betrachter vor den Bildern zu diskutieren, warum es immer weniger Arbeit gibt." Zitat Ende.
Aber abgesehen von der Kraft dieser Bilder als Zeit- und Lebenskommentar und eingedenk Springers Affinität zu Indianern - aber dazu kommen wir noch - erscheinen mir diese Helden der Arbeit in ihrer Virilität und Schweißperlen-Männlichkeit wie das Pendant zu ihren Cowboy-Kerl-Kollegen im Wilden Westen.

Dazu las ich auf Springers übrigens sehr aufschlussreichen und komplexen Webseite: "Anfangs als Skizze für einen Wandfries auf Wellpappe entstanden, entwickelte sich "Das Goldene Zeitalter" zu einer eigenständigen Serie. Menschliche Figuren in Gruppen oder mit sich selbst ringend, oft nicht entscheidbar, ob tanzend oder kämpfend, tun das, was sie tun müssen ... hinter Masken verborgen." Ende des Zitats.
Und das Ganze wieder gemalt in dieser wunderbar flirrenden Wellpappen-Technik, analog zur Ambivalenz der dargestellten Handlungen dieser behelmten Gestalten, ...ob sie lieben oder kämpfen, scheint hier das Gleiche.

Ganz ohne Protagonisten aber kommt die Reihe "Schauplätze - Deutschlandbilder" aus. Es geht um die Schauplätze der jüngeren deutschen Geschichte, bzw. seiner Erzählungen oder Legenden. Die Darstellungen allein nur der Schauplätze und ihrer Requisiten, wie der VW-Käfer am Ort der Erschiessung Benno Ohnesorgs, das Cockpit der Landshut in Mallorca und Barschels Badewanne im "Hotel Beau Rivage" - ohne Barschel - nennt Springer das wahrnehmungsbedeutsame Prinzip, nicht die Tat, sondern nur den Ort zu zeigen, um das eigentliche Drama im Kopf des betrachters sich vollziehen zu lassen. Und so dürfen Sie, wenn Sie sich diese Ausstellung anschauen u.a. ein subversives Spiel mit der Konnotation, der Deutung und dem Bedeutungswandel in unserer kollektiven Wahrnehmung erleben.

Mit dieser Erfahrung geht's nun endgültig in Springers Geisterbahn im 1. Stock. "Ghosts" heisst die Reihe und ist inspiriert vom australischen Spielfilm GHOST OF THE CIVIL DEAD. Die Bilder zeigen quasi maskierte Ausschnitte der Wirklichkeiten. ... Che Guevara auf dem Traktor oder Steve McQueen in GETAWAY. Erstellt mit den malerischen Mitteln des Pop und stilistisch gebrochen durch archaische Zeichen entsteht hier eine Art magischer Realismus. Auch hier spielt die Konnotation, das Einfügen in unser Wiedererkennungs-, Erinnerungs- und Ordnungssystem eine Rolle. Denn die Gespenster wollen nicht, stellen sich der Erfahrung entgegen und legen sich bildlich und sperrig über die vermeintlich so einfache Erkenntnis.

Im Keller aber haben wir noch eine Chance mit diesen Geistern unseren Frieden zu machen. Springers Plastic-Indianer nämlich führen uns ins Zwischenreich von Aufklärung und Verklärung, von Karl May bis Fritz Steuben, John Ford bis Harald Reinl und in Bernhard Springers Fall waren es kleine Plastikfiguren aus den "Heinerle Wundertüten", die ihn zu seiner Kunst bewegten und zu einer Art Hechtsprung durch die Kulturtechniken, von der Höhlenmalerei über urbane Graffiti bis hin zum seinen ebenfalls im Keller gezeigten Videos "Plastic-Indianer" und "Nur Stämme werden überleben".

Ganz zum Schluss aber und nicht zuletzt müssen Springers in dieser Ausstellung immer wieder auftauchende Voodoo-Dada-Gartenzwerge gewürdigt werden. Der Idylle entrissen, ihrer bürgerlichen Rechte als Gartenzwerg verlustigt haben sie jetzt ihren Auftritt in wüsten, teils schamanistischen Outfits und mühen sich redlich ihrer zurück gewonnene Identität als Schutzgeister in Springers Voodoo-Dada-Welt gerecht zu werden.

Allen Werkgruppen gemeinsam aber ist ihr narratives Element, mit der großen Erzählung als Charakteristikum ihrer inhaltlichen Herkunft. Und das sind die Plots der Höllenmaler, der Erzählstrang antiker Friese, das Hollywoodepos und im besonderen die ikonographisch gefasste, kollektive Erfahrung des zeitgenössischen, bundesrepublikanischen Betrachters. Dort finden sie sich alle wieder, der Künstler und der Rezipient, - ein bisschen generationsdifferenziert zwar -, aber doch alle gemeinsam geprägt von den Mythen der Indianerromane, des grossen Kinos, den Fernsehnachrichten mit all ihren Erzählstrategien. Zusammengenommen aber ergeben sie diese Geschichten und diese Bilder, und das erlebe ich in dieser Ausstellung ganz wunderbar, ein visuelles Geräusch, ein Nebeneinander sich durchdringender Geschichten und Wahrheiten, und so steht man mittendrin in Springers Werk, erfrischt und voller Klarheit angesichts der eigenen Ungewissheit.

Ganz gewiss aber spielen jetzt gleich und sofort oder doch nachher die Hamperer bodenständige, groovige und mitreissende Songs um die Höhen und Tiefen des männlichen Lebens,
...also vor allem Sex und Saufen...
...schreibt die "Süddeutsche Zeitung".
Dazu und zu dieser Ausstellung wünsche ich Ihnen nun viel Vergnügen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verfallsdatum beachten


15. September 2009

Wortwendungen sind Gebrauchsgegenstände - irgendwann nutzen sie sich ab.

Brücken bauen - Netzwerke knüpfen - sich auf Spurensuche begeben -

am Anfang sind sie Namen für innovative Gedanken, irgendwann nur noch gutgemeint und am Schluss werden sie für alles und von jedem benutzt und mißbraucht. Dann sind "Netzwerke" ein Euphemismus für Vetternwirtschaft, werden mit "Brücken" Kulturwelterbe verschandelt und sind mit "Spurensuche" Synopsen von Dokumentarfilmen auf den Hund gekommen.
Schlußfolgerung: Bei Wortwendungen wie auch bei Themen immer das Verfallsdatum beachten.

 

 

 

 

 

Tips for Artists who wants to sell


17. Juni 2009

TIPS FOR ARTISTS
WHO WANT TO SELL

  • GENERALLY SPEAKING, PAINTINGS WITH LIGHT COLORS SELL MORE QUICKLY THAN PAINTINGS WITH DARK COLORS.
  • SUBJECTS THAT SELL WELL:
    MADONNA AND CHILD, LANDSCAPES, FLOWER PAINTINGS, STILL LIFES (FREE OF MORBID PROPS ... DEAD BIRDS, ETC.), NUDES, MARINE PICTURES, ABSTRACTS AND SURREALISM.
  • SUBJECT MATTER IS IMPORTANT: IT HAS BEEN SAID THAT PAINTINGS WITH COWS AND HENS IN THEM COLLECT DUST ... WHILE THE SAME PAINTINGS WITH BULLS AND ROOSTERS SELL.

[found on a T-shirt in L.A. 1996]

consequently please find paintings with following subjects:

SPORTS

MOVIES

PORTRAITS

 

 

 

 

 

MEN AT WORK bei OpenWestend 2009


27. März 2009

Bilder gegen die Rezession..vom Real Life:
MEN AT WORK - statt Virtuellem das Reelle, statt Hedgefonds, Immobilienblase und Derivaten: Handarbeit, Muskelkraft und Schweiß - auch eine Antwort auf die Krise: lasst uns die wahren Helden der Arbeit feiern, solange es sie noch gibt.

P.S.: Vor gar nicht so langer Zeit waren die Kirchen für das gemeine Volk die einzigen öffentlichen "Galerien". Es freut mich, dass ich mit meiner Ausstellung bei OpenWestend in der Kirche St. Benedikt daran wieder anknüpfen kann.t

 

 

 

 

 









Foto: Gabriele Rocker

 

 

 

 

Anspieltipps


19. März 2009

Keine Lebenszeit vergeuden: Die SZ-Online-Kolumne
Das Leben der Anderen
übernimmt das Stöbern auf der Youtube-Seite und stellt Fundstücke zu bestimmten Themen zusammen, z.B. zu Virtuosen auf der Gitarre oder mit dem Fußball. Wirklich empfehlenswert aber sind die folgenden Juwelen.

Eine Quelle der Inspiration für angehende Filmemacher:
Hast Du schon geschwedet?
Nicht nur Amateure spielen im Kurzformat große Klassiker (SHINING) und Blockbuster (TITANIC) nach.

Früher wurde zum Trost und Aufbau des Selbstbewußtseins empfohlen, sich anmaßende Autoritätspersonen in Unterhosen vorzustellen. Heute umgekehrt an dieser Stelle ein Trostpflaster für enervierte Lehrer:
Ein Spacko blamiert sich

 

 

 

 

Innerer Monolog einer gefoppten Lehrerin

von Karin Springer  
22. Februar 2009

Wie doof muss man eigentlich sein, um als Lehrer, der ja vor der Klasse als souveräner Dirigent stehen soll, nicht zu merken, dass dem „Lehrkörper“ ein Zettel angeklebt wird?

Der Zettel, - den Inhalt übergehe ich erst einmal schweigend-, er klebt an meiner Rückseite. Wäre ich nicht darauf hingewiesen worden, dass ich Träger eines solchen Zettels bin, wahrscheinlich wäre er, nicht besonders fest verankert, abgefallen.
Hat der Verursacher damit gerechnet?
Den wohlmeinenden Hinweis der Zettelentdeckerin, ihn lieber nicht zu lesen, - für jeden Germanisten undenkbar, für einen Psychologen Fluchtverhalten!
Was an mir klebt, muss gelesen werden, egal ob Germanistin oder Psychologin.
Also lesen.

Im Laufe eines Tages lese ich viel und ich lese gern und für Schüler, die gerne schreiben, würde ich jederzeit mein eigenes Lesepensum verkürzen.
Aber dieser gelesene Zettel - vielleicht hätte ich ihn doch lieber ungelesen in den Papierkorb geworfen.
Aber jetzt habe ich ihn gelesen.
Als Lehrerin, also in der Lehrerrolle, meldet sich im Kreis der vielstimmigen inneren Stimmen der kluge Ratgeber:
Jetzt reicht’s, du musst endlich Grenzen setzen.
Wenn du das nichts tust,
du wirst in frechen Zetteln,
geworfenen Papierkugeln,
einem vermüllten Klassenzimmer,
verschlampten Schüler/innen, die nichts lernen,
ertrinken.

Verantwortlich … ,
Schüler/innen Grenzen setzen …,
Flagge zeigen …,
strafen …,
Respekt.

Die engagierte Stimme überschlägt sich fast, ich höre nur noch Wortfetzen.
Jetzt mach' erst einmal einen Brake, meldet sich eine andere Stimme,
du musst für Geschichte noch „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ kopieren. Also los, raus hier, weiter!

Das fordert eine dritte Stimme heraus, die von den beiden anderen nicht besonders viel zu halten scheint. Dir sind doch Gefühle so wichtig, geigt sie. Als alte Feministin muss dich doch der Inhalt auf die Palme bringen.
Du bist doch entrüstet, wütend.

Als sich eine vierte Stimme meldet und einwendet, dass ich doch als einzige Frau unter drei männlichen Vertretern in der Familie wisse, dass Jungs und Männer von Zeit zu Zeit zu blödsinnigen Handlungen neigen, um in der Männerwelt Helden, wenn auch nur für eine Minute, zu sein, werde ich unwirsch und verbiete mir jede weiteren klugen Kommentare der eventuell noch weiteren klugen, noch nicht gehörten Stimmen und schließe das Klassenzimmer ab.

Auf dem Weg zum Kopierzimmer fällt mit ein, dass ich den gelesen Zettel tatsächlich wütend in den Abfalleimer geworfen habe. Das Beweismaterial ist vernichtet. Morgen stehe ich ohne Zettel vor der 9b, aber mit dem Ergebnis, dass ….

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bilderarbeit ist nötig


02. Januar 2009

"BILDERARBEIT ist nötig. Das abstrakte Denken hat nicht dazu geführt, dass wir uns der Welt vertrauter fühlen. Abstraktionen beziehen sich auf verbale Punkte, nicht auf sinnliche Wirklichkeit.
."                                                                             
(plastic-indianer: tendenz & klima, 1984)

 

 

Man sollte einen Künstler nicht nach der Bedeutung seiner Bilder fragen. Worüber ein Künstler Auskunft geben kann ist bspw. die Zusammensetzung der Farben oder die Beschaffenheit der Malgründe, also alles was unter die Wie-hat-er-das-gemacht?-Frage fällt. Vielleicht kann man ihm beim Arbeiten zuschauen wie Bob Ross bei "The Joy of Painting" oder einen Malkurs bei ihm belegen. Vielleicht wird der Künstler Anekdoten zum Besten geben, etwas über seine Vorbilder erzählen, von Anregungen und Erlebnissen auf Reisen berichten, von Begegnung mit anderen Künstlern oder vom Ärger mit seinem Galeristen. Damit aber hat man nicht mehr als Anhaltspunkte, mit denen man beginnen könnte, sich den Bildern zu nähern, um sich auf die Suche nach den Bedeutungen zu begeben.

Wenn ein Künstler was zur Bedeutung seiner Bilder zu sagen hätte, würde er nicht malen, sondern Schreiben und vielleicht Essays über die Kunst verfassen.
Schon die der Konvention folgende Titelgebung ist ein artfremder Akt. Im besten Fall kann daraus ein Spiel werden (*), in der die Relation von Bild und Text eine eigene Bedeutung kreiert, im schlechtesten Fall wird man nur in die Irre geleitet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(*) DAS SPIEL (z.B. beim nächsten Familienausflug ins Museum) geht so: Man betrachtet zusammen ein Bild und überlegt, welcher Titel wohl zu diesem Bild passen würde. Erst dann tritt man näher und vergleicht seine Annahme mit dem Titel, der angegeben ist. Dieses Spiel kann sehr unterhaltsam und aufschlußreich werden.

 

 

 

"Ich arbeite wie eine Evolutionsmaschine"


20.10.2008

Interview von Christine Koller mit Bernhard Springer zum Thema Inspiration,
zuerst erschienen in: Christine Koller: Inspiration - jetzt!, München 2008, S. 53-58

Inspiration, was bedeutet das für Sie?

B.S.: Inspiration, das sind für mich Einflüsse von außen, die bei mir als Künstler kreative Prozesse auslösen. Inspiration beschreibt also ein bestimmtes Außen-Innen-Verhältnis in der Beziehung von Individuum und Außenwelt.

Wann brauchen Sie Inspiration?

B.S.: Eigentlich immer und überall. Nicht nur beim Arbeiten, sondern auch in alltäglichen Situationen oder im Umgang mit Menschen. Die Umgangssprache aber bezieht Inspiration vor allem auf die künstlerische Produktion.

Was machen Sie in solchen Situationen?

B.S.: Ich lasse mich von allem inspirieren, was ich aufnehme – von dem was ich sehe, rieche, lese, spüre, was mir zustößt oder was ich in Gesprächen mit Freunden erfahre. Das verarbeite ich dann wie in der Evolution: durch Anpassung, Selektion, Zufall oder Weiterentwicklung. Ein Biologe kann das besser ausführen.

Wie versuchen Sie bahnbrechende neue Ideen zu finden, wie „nur“ einen Lösungsansatz für ein Problem? Gibt es da Unterschiede?

B.S.: Bei der Frage nach der „bahnbrechenden Idee“ höre ich den Mythos vom Geniekult mitschwingen. Aber es gibt kein leeres Vorher, du baust immer auf etwas auf. Auch ein Genie wie Einstein schöpfte bei seiner Relativitätstheorie nicht aus dem Leeren, das ist immer ein Prozess. Wenn ich zum Beispiel etwas lese oder sehe, setzt das bei mir etwas in Gang und ich entwickle es automatisch weiter. Ich bin dann so etwas wie eine Evolutionsmaschine.

Nutzen Sie Kreativtechniken – wenn ja, welche?

B.S.: Gut, wenn ich Sachen von außen aufnehme und verarbeite, gibt es Umfelder, die das verstärken. Als ich in meiner Jugend Ministrant war, kamen mir die besten Ideen bei der Messe, später als Führerscheinbesitzer bei monotonen Autofahrten und heute immer noch wenn ich am Meer bin. Das heißt, ein meditatives Umfeld, eine Mischung aus Monotonie, Langeweile und Entspannung, verstärken das Finden von Ideen. Das wiederum kann vielleicht ein Neurologe besser erklären. Wenn mir nichts einfällt, gerate ich deshalb nicht in Panik. Dann kaschiere ich Bilder, streiche Rahmen oder mache meine Steuererklärung. Es gibt genug unkreative Dinge, die erledigt werden müssen, und die Inspiration stellt sich dann schon wieder ein. Als ich in den 80-er Jahren in New York ausgestellt habe, kam es mir so vor, als wenn ein Auslöser für den starken Kokainkonsum in der damaligen Kunstszene auch in der Angst begründet war, die Kreativität und damit den Anschluss in der temporeichen Szene zu verlieren. Da putze ich lieber die Wohnung. Dann fällt mir bestimmt wieder etwas ein, weil der Geist dabei so wunderbar spazieren gehen kann.


Wie ist es mit anderen Personen, in wiefern inspirieren Sie die?

B.S.: Natürlich inspirieren mich andere und ich unterhalte mich auch gern. Gerade bei Gruppenprojekten brauche ich das Gespräch mit anderen und wir praktizieren klassisches Brainstorming. Generell ist es hilfreich, Gedanken und Ideen in Worte zu fassen und sie dann im Gespräch durch die Ansichten und Perspektiven anderer weiter zu entwickeln. Die Kunst des Pitchens ist nicht nur beim Vermarkten hilfreich – sie hilft auch dabei, den Kern eines Projektes klarer zu erkennen.

Stichwort Muse, was bedeutet das für Sie?

B.S.: Damit kann ich nicht viel anfangen. Das ist eine mythologische Figur, die den Begriff der Inspiration versinnbildlicht. Der Musenkuss hat etwas Theologisches an sich. Er lässt sich mit religiöser Erleuchtung in Verbindung bringen und dann ist man sehr schnell wieder beim Geniekult, der für mich eher negativ behaftet ist. Die Muse ist immer die geheimnisvolle schöneFrau, die den solitären Künstlermann anregt - eine Männerphantasie, die ich für nicht mehr zeitgemäß halte. Ich sehe mich auch nicht als solitärer Künstlermann und brauche eher den Austausch mit der Gruppe. (lacht)

Wie ist es mit speziellen Räumen und Plätzen?

B.S.: Da ist zum einen das Meer: Sonne, Sand und Strand inklusive dem monotonen Rauschen der Wellen. Aber eigentlich kann mich wiederum jeder Raum inspirieren, weil ich sehr ausgeprägt in der Wahrnehmung von Räumen bin, und das bezieht sich dann auch auf Räume, die nach dem konventionellem Geschmack als nicht attraktiv gelten.

Was passiert bei Ihnen selbst, wenn Sie Inspiration erfahren? Wie fühlt sich das an?

B.S.: Wenn mir etwas Gutes einfällt, erlebe ich ein Gefühl von Euphorie.

Wie gehen Sie mit neu gefundenen Ideen um?

B.S. Ich versuche den Plan umzusetzen, denn die Idee ist ja nichts weiter als der Anstoß, etwas zu versuchen. Während der Umsetzung verändert sich die ursprüngliche Idee aber durch den Vorgang bspw. des Malens. Hier ist dann der Umgang mit dem Material die Quelle der Inspiration. Dieser eher ekstatische und unbewusste Vorgang lenkt den ursprünglichen Plan in eine ganz andere, neue Richtung. Das Resultat am Ende aber muss ich wieder bewusst betrachten, um eine neue Ebene zu erreichen. Sonst folgt Stillstand, im schlechtesten Fall Rückschritt.

Wann geht gar nichts? Was sind Inspirationskiller?

B.S.: Hinderlich sind Perfektion und Informationsüberflutung, indem man zum Beispiel zu viel über ein Thema liest und dann keinen Platz für die Entwicklung mehr hat. Zu viel detailliertes Wissen produziert nur noch redundante Informationen.

Wie versuchen Sie Inspirationskiller zu vermeiden?

B.S.: Indem ich dem – vielleicht auch notwendigen - Hang zu Perfektion und Informationsansammlung bewusst Hindernisse in den Weg lege. So arbeite ich gern mit "Fehlern", indem ich nur bruchstückhafte Informationen erhalte, einen Text nicht richtig verstehe oder ein Bild nur undeutlich sehe. Der Perfektion in der Malerei steuere ich entgegen, indem ich nur noch mit Sprühdose oder Lackrolle male. Seit neuestem benutze ich auch Wellpappe als Malgrund, was eigenartige Effekte auf meine Malerei hat und den angenehmen Nebeneffekt, dass sich die Bilder gut verkaufen.

Was bestimmt ein inspiriertes Leben?

B.S.: Immer etwas Neues machen. So halte es auch mit Daniel Boone, dem historischen Vorbild von Coopers „Lederstrumpf“, der, als ihn die Zivilisation der Krämer und Pfarrer eingeholt hatte, seine Flinte von der Wand nahm und wieder westwärts ins Indianerland ging.

Und zu guter Letzt: Schenken Sie uns eine inspirierende Weisheit?

B.S.: Dazu fallen mir die letzten Zeilen aus Goethes Gedicht „Selige Sehnsucht“ ein: "Und solang du das nicht hast / Dieses Stirb und werde! / Bist du nur ein trüber Gast / Auf der dunklen Erde.“

 

 

 

 

 

NO TIME TO DIE...


15. Oktober 2008

 

 

Dear Mr Springer

The Delegation to the European Commission and the European diplomatic missions in Asmara, Eritrea are organizing, for the 6th time an European Film Week to be held from Friday, November 14th to Sunday, November 24rd in Asmara. The Festival will then be extended until 5th of December to other towns of Eritrea, Keren, Massawa and Dekhamare, in order to reach a broader audience.

The projections are strictly non commercial and entrance is free.

We would like your authorization for the screening of the movie " No time to Die" for this year 's Festival.

Best regards

all the EU-Executives have their salaires - not us
all the Festival-Managers have their incomes - not us
all the Movie-scouts have their travelcosts - not us
without the talents they cannot make programm - but nobody wants to pay fee travelcosts or expensives for showing our movie around the world.
Do you think this is fair?

 

 

 

 

Zitatenschatz Kunst


06. September 2008

"Kunst ist ja nur noch'n Markt, oder? Wie die Börse. Nimm die bildende Kunst: Du kannst an den Preisen für die Bilder ablesen, wer gerade wen fickt."

(Ian "Lemmy" Kilmister im Interview mit Alexander Gorkow, SZ vom 6./7.9.2008 Beilage Wochenende letzte Seite)

 

 

 

 

INVASION OF THE BODY SNATCHERS
Doubleyoohoo im Schmalztiegel Amerika


04. September 2008


Präsident Georg W. Bush hat dem Kandidaten John McCain eine Grußbotschaft per Videokonferenz zukommen lassen, weil Osama bin Laden wegen Gustav, dem Hurrikan, doch nicht den Parteitag der republikanischen Delegierten in St. Paul anfliegen konnte - oder so ähnlich (St. Peter in Rom war es jedenfalls nicht!).

Auf jeden Fall bot diese Grußbotschaft einige semantische Überraschungen, die McCain wirklich bei seinem Wahlkampf helfen könnten. Denn Georg W. Bush wünschte sich ganz offensichtlich einen anderen Präsidenten als sich selbst, vielleicht um McCain bei seinen Absatzbewegungen von dem gegenwärtigen Präsidenten, nämlich ihm, nicht in den Rücken zu fallen, indem er erklärte:

"Wir brauchen einen Präsidenten, der die Lektionen des 11. September 2001 versteht."

Also nicht so einen wie den, der am 11. September 2001 minutenlang starr auf einem Kinderstuhl im Klassenzimmer sitzen blieb, weil er anscheinend nicht verstanden hatte. Die notwendige Reaktion ließ dann wenigstens nicht so lange auf sich warten:

"(...) um Amerika zu schützen, müssen wir (...) Angriffe stoppen, bevor sie passieren (...)"

fuhr Bush in seiner Grußbotschafter-Rede fort. Moment, will er jetzt doch, dass McCain so wird wie er, als er im Irak Trucks mit Atomwaffen halluzinierte? (Welche Drogen hatte er da nur genommen?)

Doch bevor die Irritation all zu groß wird, folgt schon die nächste Headline in Bush's Weekly World News: "Bösartige Linke will McCain's Arme brechen!" Was soll das jetzt wieder heißen? Kommen denn jetzt die Angriffe nicht mehr von außen aus dem Reich des Bösen? Und könnte es nicht auch Rocky's Rechte sein? Betrachten wir zur Klärung den dazu gehörenden Subtext. Bush bezog sich auf McCains Begegnung mit dem Vietcong und zieht daraus Zuversicht für die Zukunft:

"Seine Arme waren gebrochen, aber nicht seine Ehre und auch die bösartige Linke wird das nicht schaffen!"

Was will uns Bush damit sagen? Dass die nun zu stoppenden Angriffe von Bodysnatchern kommen oder dass die CIA Osama bin Laden in Illinois sucht? Noch bevor die Frage geklärt werden kann, verabschiedet sich ein wohlgelaunter Bush winkend vom Videobildschirm. Er hat auch allen Grund dazu, ist er doch im Schmalztiegel der Nominierungsdelegiertentreffen Amerikas nicht weiter aufgefallen.

 

 

 

 

 

Über Sprache und die Grenzen der Welt


20. Juli 2008

"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt"
(Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus, Satz 5.6)

„Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.“
(Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus, Satz 7)

 

 

 

 

 

Stirb und Werde


23. Juni 2008

Jetzt gibt es doch noch eine sinnvolle Aufgabe für den "Blogmist". Die Startseite wird runderneuert und aufgewertet - u.a. mit der Aufnahme von aktuellen Informationen und Tipps etc. Und weil dazu auch der ständiger Wechsel des Begrüßungstextes gehören wird - wer will denn auch immer wieder die gleiche Anrede lesen? - werden die ausgetauschten Texte auf dieser Alter-Ego-Seite zum Nachlesen archiviert. Wer hätte das gedacht.

 

 

 

 

 

Please, holt the line


30. Mai 2008

Warum heißt eine Hotline Hotline?
Antwort: Weil man ewig in der Schlange steht und nicht wagt, zwischendurch aufs Kloh zu gehen und stattdessen dabei heiße Ohren bekommt!

So sitze ich und höre den Vormittag lang die immer gleichen Worte:

 

Bitte gedulden Sie sich noch einen Moment/
Wir verbinden Sie sofort weiter/
Please, holt the line/
We're trying to connect you.

Welche Lyrik - MOMENT - GEDULDEN - PLEASE. Was heisst hier Moment! Soll ich etwa über die Relativität beim Empfinden von Zeit meditieren? Ist eigentlich schon einmal jemand bei dieser Gehirnwäsche ins Koma gefallen, in Ekstase oder Hypnose, oder hat er Halluzinationen bekommen? GEDULD - kommt doch von DULDEN, oder? Und wieso muss ich so etwas erdulden? MySpace, YouTube, AurDult: Hotline. WIR VERBINDEN SIE SOFORT WEITER. Aber subito! SOFORT - schon wieder diese Relativität - diese Vergewaltigung von Zeit - sofort - das kann Jahre dauern! Ja, ich dachte, ich bin hier im Kapitalismus. Statt auf den Trabi, kann ich jetzt ewig auf den .... - wie hießen die nochmal? OPERATOR? - da passt doch VERBINDEN zu - Wenn das noch länger dauert, kann mir der OPERATOR ja den Kopf VERBINDEN! PLEASE, HOLT THE LINE. Ja, bin ich etwa ein Kühlschrank oder ein Wäscheleinen-Halter?!- HALT DIE KLAPPE - in Hannover an der Leine/ haben Mädchen hübsche Beine - und der Kopf ist kugelrund! So etwas Blödes.
P L E A S E. Was soll das überhaupt! Ja glauben die denn, das sich ein Engländer oder ein Amerikaner in dieser blöden deutschen HOTLINE verlaufen würde? WE'RE TRYING TO CONNECT YOU. Ja, dann versuchen Sie es doch mal. Was ist das überhaupt für eine Stimmlage? Mensch, zieh Leine. Ha, jetzt tut sich was - ein Glück, dass ich noch nicht aufgelegt habe --- waaaas?---, nur ein neuer Text?

 

Alle Mitarbeiter für technische Themen
betreuen gerade Kunden
Sie befinden sich zur Zeit auf Warteplatz Nummer 2.

Toll: einstellige Wartenummer! Phantastisch - ein kreativer Texter war am Werk: Das ist so vielversprechend - so hoffnungsvoll! Mußt nicht glauben, dass das etwas bedeutet - Da brauchst nicht zu denken, dass Du gleich drankommst...

Wenn ich jetzt nicht ins Koma fallen will, muss ich irgendetwas anderes machen, als auf die Wörte lauschen. Mal sehen, was wäre möglich? Kritzeln - schön, ist so schön kreativ, aber auch bald langweilig, außer ich würde ein Endlosband auf die Zimmerwand anlegen? Am Computer schreiben? - geht nicht, die Wiederholungen töten jeden Gedanken. Dabei hatte ich früher bei den Litanein in der Kirche die besten Einfälle. Muss doch an dem miserablen Text liegen.

Ha, -- Herr ..., was kann ich für Sie tun. Jetzt hätte ich den netten Herrn fast für eine Automatenstimme gehalten. Ich versuche meine eingetrockene Kehle zu befeuchten und trage mein Problem vor. Der Herr ist wirklich verständnisvoll und versteht auch nicht, warum das System nicht funktioniert. SAG ICH DOCH, will ich schreien, muss mich aber beherrschen, weil ich mich an jenen Telekom-Hotliner erinnere, der mich bloss ständig als Technik-Deppen beschimpft hatte, weil ich wie die anderen Angsthasen zuviele firewalls ...- "die machen die Probleme. Schalten sie erst einmal alle Virenprogramme aus! Und dann rufen Sie noch einmal an!" - "NEIN! Bitte, nicht aus der Hotline schmeißen!" - Und weiter betteln: "Kann es nicht einen anderen Weg geben?" Zum Schluss ging es doch - und es lag nicht an den Schutzwällen, Wassergräben und Zugbrücken gegen Viren, Spams, Plop ups oder sonstigen Schmarotzern. Aber dieser Herr heute ist wirklich geduldig - und entgegenkommend. Jetzt bietet er sogar an, sich des Problems anzunehmen und zurück zu rufen.
Toll. Heute keine Warteschleife mehr! Aber nach 5 Minuten stelle ich erschreckt fest: jetzt ist mein ganzes Leben eine Warteschleife! Ich kann jetzt zwar aufs Kloh gehen, aber dafür nicht mehr den Platz verlassen, nicht Einkaufen, nicht zur Post oder überhaupt wohin gehen. Der nette Herr könnte ja gerade in diesem MOMENT VERBINDUNG aufnehmen! Und was soll ich überhaupt tun, wenn er gar nicht anruft? Wie war noch einmal sein Name?

 

 

 

 

 

Nebenwege


06. April 2008

Und solang du das nicht hast,
Diese: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

(Johann Wolfgang Goe
the: Selige Sehnsucht, in: West-östlicher Divan)

 

Nichts vermag der Kunstmarkt so wenig zu würdigen wie Nebenwege. Nicht gern gesehen und kaum beachtet werden sie dem Privaten zugerechnet und verschwinden im Persönlichen. Pablo Picasso wurde als Maler verehrt, der nebenbei auch mal Skulpturen machte. Von Giorgio de Chirico (1888-1978) wird nur die kurze Schaffensperiode überliefert, die unter dem Namen "Pittura metafisica" bekannt ist, und Francis Picabia wurde als bunter Hund gescholten, weil er seine Stile öfters wechselte als die Kritiker ihre Stifte.

 

 

 

 

 

Ghosts


20. Februar 2008

Als Nachtrag zur Ausstellungsbeteiligung beim Kunstsalon im Haus der Kunst sei hier der vom Kunstsalon angeforderte und irgendwie verlorengegangene Begleittext zu den eingereichten Arbeiten nachgeliefert:

Die ausgewählten Bilder gehören alle der Serie "Ghosts" an. Der Titel dieser Reihe ist inspiriert durch den Film GHOSTS ... OF THE CIVIL DEAD von John Hillcoat. Alles Weitere findet der Betrachter selbst.

P.S. Die Ausstellung ist nur noch bis diesen Sonntag 24. Februar geöffnet.

 

 

 

 

 

Blogmist


05. Februar 2008

Wieso, weshalb, warum? Wieso bin ich so blöd, dass ich freiwillig mein Psychogramm ins Netz stelle und es mit einem zusätzlichen Blog verstopfe? Weshalb brauche ich unbedingt ein Publikum für diese Ergüsse? Und wer liest so etwas überhaupt und warum sollte er?

Ich habe keine Ahnung. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich neulich für meinen Lebensabschnitt als alter Mann initiiert wurde. Da rücken alte Freunde enger zusammen und man erwirbt das Vorrecht, wieder so radikal und uneinsichtig (nicht intolerant und unnachsichtig) zu werden wie als Jugendlicher. Gleichzeitig beginnt man, die Ursprünge zu restaurieren, zu alten Gewohnheiten zurückzukehren und alte Ideen wieder aufzugreifen. Ich habe nie wirklich ein Tagebuch geschrieben, aber wir konnten uns 1980 auch nicht der Mode verschließen, mit "plastic-indianer" ein eigenes Fanzine herauszubringen.

Bei diesem Gedanken fällt mir auf, dass damals der Copy-Shop das war, was heute das Netz ist: die Möglichkeit, ohne eine eingreifende Instanz wie Redaktion oder Lektor eigenmächtig und radikal zu veröffentlichen und damit womöglich eine Gegenöffentlichkeit herzustellen, meistens nur für ein paar Fans und oft dilettantisch, dafür aber mit kreativer Power und ohne Verzug. Die Fotokopie konnte selbst finanziert werden und durch Weiterkopieren theoretisch große Verbreitung finden. Der wirklich entscheidende Unterschied war, dass man sich vor dem Kopierer traf und damit bald alle wesentlichen Spinner und kreativen Köpfe der Stadt kennengelernt hat.

Über was werde ich schreiben - Kunst, Aktuelles, Begegnungen? Auf keinen Fall über Pendlerpauschale oder Freunde oder deutsche TV-Movies! Oder vielleicht doch, wenn mir dazu etwas Ätzendes oder Schmeichelhaftes durch den Sinn schießt? Auf jeden Fall nicht jeden Tag - das war beim Fanzine auch schon nicht anders. Zum Schluss betrugen die Abstände zwischen den Ausgaben Jahrzehnte und irgendwann hat es sich überholt..

Ein Experiment - Schaun wir mal.

P.S. Der Copy-Shop war übrigens Profi-Druck, damals noch in der Kaulbachstraße.

 

 

 

 

 

es geht weiter, immer weiter ...


29.Januar 2008

Bei der Vernissage vom Kunstsalon im Haus der Kunst habe ich mir eine kleine Performance erlaubt. Ich habe Herrn Maier eingeladen, ohne ihm zu verraten, dass eines der vom Kunstsalon ausgewählten 3 Bilder aus der Serie GHOSTS nach einem Motiv aus seiner Sammlung gestaltet ist. Dann mußten sich statt der "Stars" alle meine Vernissagebesucher mit ihm vor dem Bild ablichten lassen. Auch die waren nicht eingeweiht, bis auf Klaus Lautenbacher, der wieder einmal so nett war, die Aufnahmen zu machen (neben Herrn Maier, natürlich). So kann man auch eine einmal begonnene Aktion ewig weiter führen. Eigentlich habe ich die Anregung dazu vom Kollegen Andreas Wiehl übernommen, der schon einmal mit der Aktion "Cut" Ähnliches angefangen hat. Schaun wir mal, wo das noch hinführt. Im Endeffekt waltet hier eines der wesentlichen Prinzipien des goethezeitlichen Bildungsromans: man trifft sich mindestens zweimal im Leben und niemand geht verloren.

 

 

 

 

 

Carla und Nicolas und ...


26.Januar 2008

Letzte Woche habe ich in Kulturzeit auf 3SAT mein erstes Musik-Video mit Carla Bruni gesehen und geschrien vor Lachen: leises Geklimper, hingehauchte Lyrics, romantische Atmosphäre, dann - wie auf der Laienschaubühne - ein unschuldiger Augenaufschlag nach links oben mit anschließender Kamerfahrt nach links ... und da habe ich mich am Lachen verschluckt. Im Hintergrund hampelte ein ältlicher Mann mit einer Kerze (!) herum - kahlköpfig und mit nacktem Oberkörper! Jetzt weiß ich, was Carla wirklich will: über Nicholas hofft sie an Wladimir heran zu kommen.

P.S.: Ich habe das entsprechende Video dazu auf YouTube gefunden: Hier!

 
 

 

 

 

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